„Hallo, ich bin Franz!“
True Size of Art: Kunstverlag Hirmer erweitert sein Geschäftsfeld mit einem KI-Tool, das Künstler:innen zum Sprechen bringt
Der Hirmer Verlag hat mit „True Size of Art“ ein KI-basiertes Vermittlungstool entwickelt, das Museumsbesucherinnen und Museumsbesucher sowie Online-Nutzerinnen und Online-Nutzer befähigt, eigene Fragen zu Kunstwerken zu stellen, auf Basis kuratierter und wissenschaftlich geprüfter Inhalte. Pilotpartner ist das Franz Marc Museum in Kochel am See, die Nutzung ist aktuell frei zugänglich. Was dahinter steckt.
Published: 30.7.2026 | Fotos/Video: Hirmer
Verlage sind auch und vor allem Vermittler, und so versteht sich auch der in München ansässige, traditionsreiche Hirmer Verlag seit jeher als Kunstvermittler. So erläutert es Verlegerin Kerstin Ludolph. Da der Verlag in seinen Vermittlungsformen schon immer mit der Zeit gegangen sei und es auch immer gelte, neue Zielgruppen zu erreichen, sei es nur folgerichtig gewesen, ein KI-basiertes Angebot zu schaffen. Dieses ist jetzt unter dem Namen „True Size of Art“ in Kooperation mit dem Franz Marc Museum in Kochel am See erstmals an den Start gegangen, kann und soll aber auch auf weitere Ausstellungen übertragen werden.
Ausgangspunkt war die Beobachtung in einem Fotomuseum, dass gängige Wandtexte viele Fragen nicht beantworten. Die Idee: Besucherinnen und Besucher sollen ihre eigenen Fragen an vorhandene, qualitativ gesicherte Inhalte richten können. Der Pilot läuft mit dem Franz Marc Museum als Dauerausstellung. Der Zugang erfolgt vor Ort via QR-Code oder online über „Jetzt testen“, worüber man zum eigens kreierten KI-Tool gelangt und aus vorgeschlagenen Fragen wählen oder eigene stellen kann. Ergänzend gibt es eine Werkübersicht „Werke entdecken“ sowie eine Kamerafunktion. Per Scan von Werkabbildungen im Museum, aus Büchern mit Werken der Ausstellung oder von der Website gelangen Nutzerinnen und Nutzer zu hinterlegten Inhalten, auch vom Sofa aus.



Kuratierter KI-Raum statt Weltwissen
Anders als generische KI-Ansätze arbeitet „True Size of Art“ mit ausgewählten, wissenschaftlich korrekten Texten und Bildern, die in Kooperation von Verlag und Museum eingespeist wurden. Ziel ist eine hohe Verlässlichkeit bei gleichzeitig interaktiver Erschließung.
Neben der Texteingabe sind auch eine Sprachaufnahme und Vorlesefunktion integriert, sogar ein Dark Mode ist verfügbar, sodass die Anwendung barrierefrei ist. Die Inhalte liegen auf Deutsch und Englisch vor, weitere Sprachen können über den Chat per Übersetzung ausgegeben werden, zum Beispiel Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Arabisch.
Neben klassischen kunsthistorischen Informationen ermöglicht das Tool nutzer:innenorientierte Formate wie Kurzfassungen in leichter Sprache, Gute-Nacht-Geschichten auf Basis von Werken, etwa Franz Marcs Eselfries als Geschichte im alten Ägypten, oder kreative Ausgaben wie Rap-Versionen. Die Vorlesefunktion unterstützt den Einsatz in verschiedenen Altersgruppen, vom Kindergarten bis zur Schule.
Entwicklungs-Setup und Partnerstruktur

Hirmer-Verlegerin Kerstin Ludolph
Realisiert wurde das Projekt mit vier maßgeblichen Partnern. KI- und IT-Expertinnen und Experten als langjährige Verlagsdienstleister mit KI-Spezialisierung, Gestalterinnen und Gestalter für UI und UX, der Verlag für die inhaltliche Steuerung sowie das Museum für Kuratierung und Bereitstellung der Inhalte.
Nach der Auswahl der Materialien lag der Schwerpunkt auf Programmierung, Prompt-Feinabstimmung und Qualität der Antworten.
Die hohen Kosten liegen in der Entwicklung der Gesamtinfrastruktur. Aktuell ist der Zugang zur Einführung kostenfrei, perspektivisch ist eine Nutzungsgebühr geplant, da der KI-Betrieb auch weiterhin Kosten verursacht durch die dafür benötigte Energie und verbrauchte Tokens.
Ziel ist die Skalierung auf weitere Museen und Themen, jetzt, wo die Basisinfrastruktur steht.
Zwischen analog und digital
Hochwertige Kunstbücher bleiben jedoch weiterhin der Kern des Programms, betont Ludolph. Digitale und analoge Formate sollen komplementär genutzt werden, je nach Projekt teilweise parallel.
Bereits seit Ende 2024 betreibt der Verlag zudem eine AR-App, mit der Bilder im Buch via Smartphone in Videos zum Leben erweckt werden, inspiriert vom Harry-Potter-Effekt bewegter Bilder.
Auf der Frankfurter Buchmesse und der Art Muc in München soll True Size of Art einem breiteren Publikum präsentiert werden. Das digitale Tool wird iterativ weiterentwickelt, Feedback aus Nutzung und Tests fließt fortlaufend ein.
Einen ähnlichen Ansatz verfolgt in Deutschland außerdem beispielsweise der Anbieter Talking Paintings, bei dem gemalte Figuren wie die Mona Lisa auf Bildschirmen zum Sprechen gebracht werden und so ein narratives Erleben ermöglichen.