„Audio Branding muss nicht ‚gefällig‘ sein – sondern charakteristisch und unterscheidbar“

Philipp Feit und Eduardo García von German Wahnsinn über hörbare Verlagssignaturen

Ein vertrauter Klang genügt oft, und schon steht eine Marke im Raum – noch bevor ihr Name gefallen ist. Doch während Verlage viel Energie in Cover, Typografie und visuelle Kampagnen stecken, bleibt ihre akustische Identität häufig dem Zufall überlassen. Philipp Feit, Chief Creative Officer von German Wahnsinn, und Eduardo García, Mitbegründer und Geschäftsführer der Hamburger Audio-Agentur, erklären, wie ein konsistenter Markenklang einzelne Hörbücher, Podcasts, Social Clips und weitere Kontaktpunkte miteinander verbinden kann.

Published: 30.7.2026  |  Fotos: Stefan Trocha

Sie sprechen über strategische Entscheidungen, künstliche Intelligenz und die Suche nach einer unverwechselbaren Sound-DNA. Dabei zeigt sich: Ausgerechnet der naheliegendste erste Schritt kann der falsche sein.

Wie erklären Sie einer Marke ohne Audio-Erfahrung ganz einfach, warum Audio Branding sich für sie lohnt?

Philipp: Audio ist einer der schnellsten Wege, Menschen emotional mit einer Marke zu verbinden. Zudem bietet Audio die große Chance, einen bleibenden Eindruck bei Konsument:innen zu hinterlassen. Mit dem richtigen Audio Branding kann eine Marke so nicht nur maximale Wiedererkennbarkeit aufbauen, sondern auch ihre Geschichte emotional aufladen – und so stärker im kollektiven Gedächtnis verankern.

Welche grundlegenden Fragen stellen Ihre Kund:innen am Anfang immer wieder zu Audio Branding – und wie beantworten Sie diese?

Philipp: Viele unserer Kund:innen wünschen sich zunächst ein Soundlogo. Fragen wir nach dem „Warum“, bekommen wir in vielen Fällen eher unkonkrete Antworten oder schlicht: „Weil man das eben braucht.“ Wenn wir dann stärker in den Dialog gehen und gemeinsam analysieren, was das Unternehmen eigentlich möchte – was das Ziel hinter der Frage nach dem Soundlogo ist – dann wird oft relativ schnell klar, dass ein Soundlogo meist nicht der erste sinnvolle Schritt ist, und manchmal sogar der letzte.

Im Kern liefern wir nicht einfach „für“ unsere Kund:innen, sondern erarbeiten die Antworten gemeinsam. Nur so entsteht Audio Branding, das mit voller Überzeugung eingesetzt wird – intern wie extern.

Vom Hörbuch zur akustischen Verlagssignatur

Verlage definieren sich eher über ihre einzelnen Titel. Als Audiobooks muss jeder für sich überzeugend klingen. Was kann Audio Branding da noch hinzutun?

Eduardo: Mit Audio Branding schaffen wir eine akustische Heimat für Audiobooks – also eine klare Wiedererkennbarkeit und Zugehörigkeit über einzelne Titel hinweg. Gerade bei einer diversifizierten Produktpalette macht Audio Branding als „akustische Klammer“ Sinn: Es verbindet unterschiedliche Inhalte unter einem gemeinsamen Markenklang und kann damit wie ein wiedererkennbares Qualitätssiegel wirken. Zudem kann es den Verlag als Gesamtmarke stärker in den Vordergrund heben und so deutlicher in den Köpfen von Hörer:innen verankern.

Wofür sollte ein Publisher zuerst Geld in die Hand nehmen: Jingle, Markenstimme, Podcast-Intro, Social Clips?

Philipp: Das ist weniger eine Frage des Formats. Entscheidend ist, dass das, was gemacht wird, nachhaltig und konsistent ist. „Sustainable Audio Branding“ ist der Schlüssel zu einem erfolgreichen Markenklang.

Es wird sehr viel „für die Mülltonne“ produziert, weil im Affekt entschieden wird, welches Element als nächstes entstehen soll. Wir empfehlen deshalb immer, zuerst in einem gemeinsamen Gespräch oder Workshop eine tragfähige Strategie zu entwickeln: Welche Ziele gibt es, welche Touchpoints sind relevant, und welches Element ergibt daraus wirklich Sinn? Von einem starken ersten Audio-Touchpoint aus kann dann sinnvoll weiterentwickelt und ausgerollt werden. So, dass eben jeder Touchpoint für eine Wiedererkennbarkeit der Marke sorgt und damit langfristig und nachhaltig auf die Markenentwicklung einzahlt.

Eduardo: Wenn das steht, wird es strategisch interessant. Denn dann geht es nicht mehr um einzelne Assets, sondern um Markenführung über Sound und damit eben über diverse Kontaktpunkte hinweg, wie beispielsweise von Buchvorstellungen und Lesungen, über Podcasts und visuelle Buchtrailer bei YouTube, bis zu Social Media und Aktivitäten zum Community Building.

Ein konkretes Beispiel ist BookTok, die literaturbezogene Community auf TikTok. Hier entstehen aktuell immense Reichweiten und Community-Dynamiken – primär über Bewegtbild und sehr kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate. Mehr und mehr Verlage investieren deswegen aktuell in Social Clips, jedoch oft ohne klar definierten akustischen Wiedererkennungswert. Genau da liegt derzeit ein enormes Potenzial: Wer in diesen hochfrequenten, schnelllebigen Umfeldern mit einer konsistenten akustischen Identität arbeitet – sei es über eine wiederkehrende Markenstimme, ein prägnantes Soundlogo oder ein spezifisches Klangkonzept – schafft zusätzliche Orientierung in einem Umfeld, das sonst stark visuell geprägt und überladen ist. So kann ein konsistenter Markenklang helfen, diese Aufmerksamkeit nicht nur titelbezogen, sondern markenbezogen zu nutzen. Audio wird damit auch und gerade in Social-first-Umfeldern vom dekorativen Add-on zum strategischen Anker.

Wo lauern die tiefsten Stolperfallen beim Audio Branding?

Philipp: Der größte Stolperstein ist, so zu klingen wie bekannte Vorbilder. Viele orientieren sich an dem, was sie bereits kennen – und vermeiden das Neue oder Unbekannte. Dabei liegt genau dort die Chance: in einer eigenständigen klanglichen Identität.

Wer die eigene Sound-DNA nicht konsequent entwickelt, läuft Gefahr, in der Masse unterzugehen oder verwechselt zu werden. Audio Branding muss deshalb nicht „gefällig“ sein – sondern charakteristisch und unterscheidbar.

So funktioniert Audio-Branding – Philipp Feit im Podcast

In einer zunehmend audiovisuellen Welt wird das akustische Erscheinungsbild einer Marke immer wichtiger. Für die zweite Folge des Podcasts IGNITE! Publishing haben wir mit Philipp Feit von der Audio-Agentur German Wahnsinn im Rahmen des Radio Advertising Summit 2025 in Köln gesprochen.

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KI, Markenstimmen und die Suche nach einer unverwechselbaren Sound-DNA

Welche konkreten Potenziale bietet KI heute beim Audio Branding, und wo stecken ihre Risiken?

Philipp: Künstliche Intelligenz ist ein riesiges Feld – und oft begleitet von Missverständnissen. Wir setzen eigene KI-Systeme vor allem dort ein, wo sie echten Mehrwert bietet: bei Automatisierungsprozessen, Internationalisierung, Versionierung und der Multiplikation von Formaten.

Gleichzeitig ist uns digitale Souveränität sehr wichtig. Deshalb halten wir Markenstimmen rechtlich abgesichert und kontrolliert auf eigenen Servern vor und teilen dieses Verständnis auch mit unseren Kund:innen. Denn eine große Gefahr vieler verbreiteter KI-Systeme ist, dass dadurch alles noch ähnlicher wird und am Ende gleich klingt.

Die wirkliche Qualität entsteht häufig im Mix: Humor, Timing und Emotion lassen sich durch echte Menschen oft weiterhin schneller, präziser und glaubwürdiger erzeugen.

Welche drei ersten Schritte empfehlen Sie einem Verlag, der mit Audio Branding starten will, ohne gleich ein Großprojekt aufzusetzen?

Eduardo: Erstens: klären, welche Geschichte der Verlag erzählen will und was ihn wirklich einzigartig macht.
Zweitens: ehrlich definieren, was tatsächlich gebraucht wird (und was nicht).
Drittens: priorisieren, auf welchen Touchpoints am meisten kommuniziert wird – also wo Audio wirklich regelmäßig Wirkung entfalten kann.

Wenn diese drei Punkte geklärt sind, wird für einen Verlag sehr klar, womit er starten sollte, wie er es angeht und wo der Einstieg am meisten Sinn ergibt.

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Eduardo García (LinkedIn-Profilseite) ist Mitbegründer und Geschäftsführer von German Wahnsinn sowie Mitbegründer des Hörbuchlabels Atmende Bücher. Als Musikverleger, Tonmeister und Produzent entwickelt er seit den 1990er-Jahren kreative Audio-Konzepte. Er ist ein Pionier in der Hörbuchproduktion und hat an preisgekrönten Projekten wie der „Reckless“-Reihe von Cornelia Funke gearbeitet.

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Philipp Feit (LinkedIn-Profilseite) ist der Chief Creative Officer von German Wahnsinn, Deutschlands kreativster Audio-Agentur. Als Experte für immersiven Sound, auditive Markenführung und dynamisches Storytelling berät er seit über einem Jahrzehnt Marken und Agenturen bei allen Fragen rund um Audio-Kreationen und realisiert ihre Kampagnen sowie vielfältigste Hör-Experiences im agentureigenen Tonstudiokomplex auf dem Hamburger Kiez. Zudem ist er proaktiv an der Entwicklung von State-of-the-Art-Audio-Technologien beteiligt.