So funktioniert eine datengetriebene Literaturagentur

Wie Monika Drummer Trends analysieren und Verlagen bessere Trefferquoten ermöglichen will

Monika Drummer hat ein eigenes, KI-gestütztes Analysetool entwickelt, um Markttrends früh zu erkennen, Titel gezielter zu positionieren und Akquiseentscheidungen zu untermauern – ohne die kreative Arbeit der Autor:innen zu automatisieren. Was dahintersteckt, erklärt sie im IGNITE! Publishing-Podcast.

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Published: 8.9.2026 | Photo: AI generated, Magnific

Monika Drummer kennt die Buchbranche aus verschiedenen Perspektiven. Sie hat bereits Stationen im Verlag und Buchhandel absolviert und kennt sich auch mit dem Bloggen aus. Jetzt hat sie eine Literaturagentur mit datenfokussiertem Ansatz aufgebaut und dafür u.a. den Young Excellence Award der Zeitschrift Börsenblatt erhalten. Ihr Ziel ist es, verfügbare Marktdaten systematisch zu aggregieren, Trends zu validieren und die statistische Wahrscheinlichkeit von Erfolgen zu erhöhen.

Auf die Idee ihres datengetriebenen Ansatzes kam sie durch einen NYU-Publishing-Kurs und einen Austausch mit der US-Scoutin Kelly Farber. Nun geht es darum Daten aus unterschiedlichsten Quellen zu sammeln, um daraus belastbare Marktindikationen abzuleiten. Trends sollen damit frühzeitig erkannt und validiert werden um die Verlagsakquise datenbasiert zu unterstützen. „Mein Ansatz ergänzt die klassische Agenturarbeit, ersetzt sie aber nicht”, sagt sie.

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Welche Datenquellen sind relevant

Verkaufsdaten via Media Control für den DACH-Raum und von BookScan für die USA sorgen für einen retrospektiven Blick auf den Buchmarkt. Als zusätzliche Frühindikatoren zieht Drummer u.a. Social Media, Hashtags/Trends, Amazon-Bestsellerlisten, Google Trends, Spiegel-Bestsellerlisten und weitere Charts heran und setzt zudem auf kontinuierliche Gespräche mit Verlagen und Scouts.

Der US-Rechtehandel könne dabei als ein weiterer Taktgeber verstanden werden: Deshalb beobachtet Drummer systematisch, was US-Verlage einkaufen und welche Titel in den deutschsprachigen Markt transferiert werden. Ihr Ziel: Muster, Genreunterschiede und Übertragbarkeiten zu identifizieren (z. B. warum manche Genres in den USA funktionieren, in DACH aber nicht).

Regelmäßig wertet sie zudem aus, ob die Prognosen auf Basis historischer Daten (z. B. 12–18 Monate) mit den realen Verläufen übereinstimmen, analysiert mögliche Fehler und kalibriert neu. KI könne als Analysewerkzeug für große Datenmengen dabei helfen. Drummer: „Wichtig ist mir jedoch zu betonen, dass wir KI ausschließlich für die Datenauswertung nutzen, nicht für das Schreiben und Überarbeiten von Manuskripten der Autor:innen.”

Die Erkenntnisse helfen anschließend bei der Positionierung bei Verlagen: z. B. welche Tropes und Schlagworte aktuell tragen (Beispiel: Girlhood) und wie Titel im Timing platziert werden sollten. Auch Übersättigungen können rechtzeitig erkannt werden (Beispiel: Romantasy-Stoffe werden zunehmend selektiv ausgewählt) und andere Trends übertragen werden wie z.B. die Fanfiction-Dynamiken und Selfpublishing-Transfers in den USA mit Potenzial für DACH.

„Das Tool soll keine Glaskugel sein”, stellt Drummer klar. „Es zeigt Tendenzen und hilft, Trefferquoten zu erhöhen, aber Ausreißer und äußere Einflüsse bleiben prägend.”

Aktuelle Tendenzen

Der US-Markt setze aufgrund seiner Größe und historischen Strahlkraft zwar weiterhin viele Impulse, asiatische Märkte wie Südkorea und Japan gewännen aber an Einfluss, hat Drummer festgestellt. Langfristig wäre daher eine Erweiterung des Tools um weitere Länderdaten sinnvoll.

Serielle Welten, niedrige Einstiegshürden, klare Cliffhanger und Community-Effekte sind weitere Wachstumsfelder, die es zu beobachten gelte.

Denkbar wäre zukünftig ein gezieltes Briefing von Autor:innen anhand valider Trendprofile und datenbasierter Anfragen, so Drummer, zunächst gehe es aber erst einmal darum, die Verlage zu überzeugen. 

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Monika Drummer, geboren 1996 in Berlin, verbrachte ihre Schulzeit teilweise in London. Sie studierte „Literatur und Buch“ an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie „Angewandte Literaturwissenschaft – Gegenwartsliteratur“ an der Freien Universität Berlin. 2018 startete sie als Buchbloggerin und wurde auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Buchblog Award als Newcomerin ausgezeichnet. Es folgten Tätigkeiten unter anderem bei Bastei Lübbe, hanserblau, Hugendubel und Libri sowie als freie Lektorin. Von 2020 bis 2025 arbeitete sie in der Hörbuchbranche, zunächst als Produktionskoordinatorin bei Storytel und anschließend als Hörbuchlektorin bei Saga Egmont, wo sie einen Hörbuchservice für Selfpublisher:innen aufbaute. 2026 gründete sie ihre eigene Literaturagentur.