„Für jeden Markt und jede Community die richtigen Stoffe finden“

Matthias Mundt, Lübbe Audio, über die Internationalisierung des Lübbe-Digitalprogramms

Ein Hörbuch-Hit braucht heute keinen Reisepass – aber er braucht die richtigen Türen. Wie baut ein mittelständischer Anbieter Reichweite jenseits des deutschsprachigen Markts auf, ohne bewährte Lizenzbeziehungen zu verspielen? Matthias Mundt von Lübbe Audio skizziert, wie Serien, Vertriebspartner und Plattformlogiken zusammenwirken, welche Stellschrauben bei Rechten, Produktion und Metadaten zählen – und wo Technologie helfen darf, aber nicht führen soll. Der DIGITAL PUBLISHING REPORT widmet sich in mehreren Artikeln der Internationalisierung in den Verlagsstrategien.

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photo / Video: KI-generiert, Freepik

Jahrzehntelang haben Verlage an nachhaltigen Lizenzbeziehungen gewirkt, um ihre Substanzen in allen Sprachräumen zu vermarkten. Warum ist es sinnvoll, diese Beziehungen aufs Spiel zu setzen?

Das wäre alles andere als sinnvoll. Ein starker Lizenzpartner vor Ort ist durch nichts zu ersetzen – besonders im Print. Unsere Strategie ist hier seit jeher zweigleisig. Während wir unser Netzwerk an Lizenznehmern kontinuierlich ausweiten, wächst unser internationales Programm seit mehr als einem Jahrzehnt beständig und steht längst für einen relevanten Umsatzanteil. Dabei können sich die beiden Ansätze durchaus befruchten: Unsere Serie „Cherringham“ war beispielsweise zuerst ein Verkaufserfolg auf Englisch. Dadurch wurde der Stoff auch für andere Märkte interessant und mittlerweile haben wir zusätzliche Übersetzungslizenzen in sechs Länder verkauft.

Internationalisierung ist im Mittelstand die Königsdisziplin, heißt es oft. Warum fühlen Sie sich dieser Königsdisziplin so gut gewachsen, dass Sie nun auch den spanischsprachigen Markt angehen?

Unsere Erfahrungen im englischsprachigen Ausland zeigen uns sehr deutlich zwei Dinge: Erstens verfügt Bastei Lübbe über Stoffe, die es so in anderen Märkten nicht oder nur selten gibt. Serien wie „Bunburry“ oder „Tee? Kaffee? Mord!“, die im digitalen Programm extra für uns konzipiert und entwickelt werden, treffen den Nerv einer primär digitalen Zielgruppe und eignen sich perfekt für eine hochwertige Vertonung.

Zweitens verfügen wir im Digitalbereich über erstklassige Beziehungen zu allen relevanten Handelspartnern. Der Hörbuchmarkt wird international oft von den gleichen großen Playern dominiert. Die Wege hier sind also tatsächlich kurz. Und mit Zebralution haben wir einen sehr gut aufgestellten Vertrieb, auf dessen Expertise wir hier zurückgreifen können.

Nach welchen Kriterien entscheiden Sie, welcher Titel aus Ihrem Katalog in welchem Sprachraum das Potenzial für eine Karriere hat?

Ähnlich wie beim deutschsprachigen Programm scannen wir kontinuierlich die Marktplätze und schauen, was gerade gut funktioniert und wo es Lücken im Angebot gibt. Bei Titeln, die wir übersetzen, kommt uns zugute, dass wir mit ihnen schon Erfahrungen in anderen Märkten gemacht haben.

„Die internationale Strategie wird in der Regel direkt mitgedacht“

Wie sichern Sie sich Weltrechte, bevor globale Wettbewerber Ihnen den Zugriff auf vielversprechende Stoffe strategisch verbauen?

Insbesondere bei unseren Serien entstehen die Ideen und Konzepte oft direkt im Verlag. Die Arbeit mit den Autor:innen ist hier sehr intensiv, damit die Inhalte perfekt auf unser Publikum und unsere Vertriebskanäle abgestimmt sind. Die internationale Strategie wird dabei in der Regel direkt mitgedacht.

Natürlich ist das gerade bei internationalen Autor:innen deutlich schwieriger. Aber auch hier setzen wir auf eine starke Bindung und einen erstklassigen und maßgeschneiderten Service, den wir als agiles mittelständisches Unternehmen oft eher anbieten können als ein globaler Konzern.

Welche Rolle spielen KI-Übersetzungen, AI voices, Voice Cloning und ähnliche produktionsunterstützende KI-Werkzeuge in Ihrer Internationalisierungsstrategie?

Natürlich beschäftigen wir uns mit allen Möglichkeiten, die die technische Entwicklung bietet – auch mit Blick auf internationale Märkte. Für uns steht aber die menschliche Kreativität immer an allererster Stelle. Die Technik sollte den Menschen unterstützen, nicht ersetzen. Im Bereich der synthetischen Stimmen planen wir derzeit keine Veröffentlichungen.

Wie werden Sie bei dezentralen oder fremdsprachigen Produktionen weltweit eine hohe Qualität der Ergebnisse sichern?

Natürlich geht das nur mit entsprechender Expertise vor Ort. Wir arbeiten in allen Märkten nur mit etablierten Studios und Sprecher:innen zusammen. Unsere Produktionen mit prominenten Sprechern wie Neil Dudgeon (Inspector Barnaby) zeigen, dass wir unseren hohen Standard auch international halten.

Wie sichern Sie die Qualität und die Eignung Ihrer Metadaten, damit Ihr Programm in den Algorithmen der globalen Plattformen sichtbar wird?

Auch hier ist es Gold wert, mit einem international erfahrenen Partner wie Zebralution zusammenzuarbeiten. Die zunehmende Standardisierung der Anforderungen der großen Plattformen hilft hier ebenfalls weiter.

„Wir fahren seit Jahren eine sehr erfolgreiche Strategie der Diversifizierung“

Wie gewinnen Sie engagierte internationale Handelspartner für Inhalte, die in deren Sprachräumen bisher wenig Markenbekanntheit genießen?

Unsere Inhalte sind für viele Handelspartner attraktiv, da sie sich in der Länge, dem Preispunkt und der Qualität von einem Großteil der Konkurrenz abheben. Durch die serielle Erzählweise gewinnen wir auch für die Plattformen bleibende und treue Kunden.

Natürlich ist das leichter bei Plattformen, mit denen wir auch in unserem Kernmarkt eng zusammenarbeiten.

Wie sichern Sie eine angemessene Marge angesichts der Macht globaler Plattformen, auf deren Reichweite Sie angewiesen sind?

Wir fahren seit Jahren eine sehr erfolgreiche Strategie der Diversifizierung. Durch die konsequente Erschließung neuer Marktplätze konnten wir unsere Umsätze in den letzten Jahren nicht nur massiv steigern, sondern gleichzeitig auf viele verschiedene Partner verteilen. Von diesem ausgewogenen Marktumfeld profitiert die gesamte Branche.

Welche technischen Flaschenhälse erschweren aktuell die reibungslose Auslieferung Ihrer digitalen Programme in verschiedene Sprachregionen?

Glücklicherweise haben wir unsere technischen Systeme bereits vor Jahren auf eine internationale Struktur ausgelegt, sodass wir tatsächlich sehr reibungslos in die verschiedenen Territorien ausliefern können. Ähnliche Standards in der Audio-Produktion erleichtern ebenfalls die Zusammenarbeit. Die große Herausforderung bleibt weiterhin auf der inhaltlichen Seite, für jeden Markt und jede Community die richtigen Stoffe zu finden.

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Matthias Mundt (LinkedIn-Profilseite) ist tätig als Director Sales Lübbe Audio in der Bastei Lübbe AG. Zuvor war er als Vertriebs- und Programmleiter unter anderem verantwortlich für die Entwicklung der Digitalstrategie, den Aufbau des Digitalprogramms und des Labels LYX.audio sowie für die Internationalisierung des Hörbuchsegments.