Wie Verlage Sichtbarkeit im KI-Zeitalter wirklich gewinnen

Presse, TikTok, GEO? Was die Buchbranche bei der Auffindbarkeit von Büchern voranbringt. Mit Sebastian Zahn

Sichtbarkeit ist kein One-Shot, sie entsteht aus sauberem SEO-Fundament, klugen Metadaten, zielgruppengerechtem Content und starken Autor:innen- und Verlagsmarken – ergänzt durch PR und Social-Reichweiten, die über Google und KI-Systeme nachwirken.

jumping-arrow-white

Published 4.5.2026  |  photo / Video: KI-generiert, Magnific

So zumindest die Erkenntnisse aus dem Podcastgespräch mit Sebastian Zahn. Der Performance-Marketer von Droemer Knaur mit Spezialisierung auf SEO/SEA – aktuell mit Fokus auf neue Disziplinen rund um generative Suche/GEO – war zu Gast beim Podcast IGNITE! Publishing (Folge 21). Die wichtigsten Thesen aus dem Gespräch:

Dieser Inhalt ist durch deine Cookie Einstellungen blockiert. 🍪

Du kannst dies in den Cookie Einstellungen ändern oder es für diesen Besuch nur akzeptieren und laden.

Erkenntnisse aus dem Podcast

• SEO vor Hype: Das „langweilige“ SEO bleibt der größte Hebel. Technisch saubere, nutzerorientierte Verlags- und Autor:innen-Seiten schlagen Keyword-Listen und „weißer Text auf weißem Grund“ um Längen. Keyword-Stuffing ist „SEO von vor 30 Jahren“ – heute zählen Nutzerintentionen, strukturierte Inhalte und Verbindungen zu relevanten Seiten.

• Presse + TikTok als Reichweiten-Kick: Klassische Pressearbeit (z. B. Rezensionen) ist weiterhin extrem wichtig – und durch die Ausspielung in Google/anderen Kanälen im KI-Kontext sogar noch relevanter. In Kombination mit starken TikTok-Videos entsteht ein zusätzlicher Reichweiten-Boost.

• FOMO vermeiden, Hausaufgaben priorisieren: GEO, AEO, Agentic Search/Commerce – statt Trendhopping empfiehlt Zahn, die eigenen Grundlagen zu prüfen: lokale SEO-Präsenz (Google Business Profile, Maps), klare Ziel- und Nutzerintentionen, saubere Seitenstruktur, relevante Inhalte. Viele Hype-Themen (z. B. Kaufabschlüsse über Agenten) sind für Verlage heute noch nicht geschäftsrelevant.

 Funnel-Denken statt Gießkanne: Verlagswebsites wirken besonders stark im Mid-Funnel (MOFU): Information, Inspiration, Autor:innen-Branding, Genre-Einordnung, Entitäten (z. B. regionale Krimi-Profile). Bottom-Funnel (Abschluss) findet häufig bei Händlern (Amazon, Thalia, Hugendubel) statt – gespeist durch zuvor erzeugte Nachfrage. Top-Funnel entsteht via Reichweitenkanäle (Influencer, YouTube, TV, Bestsellerlisten). Die „Messy Middle“ verknüpft diese Such- und Wieder-Suchpfade.

•  Zielkonflikte managen – durch Fokus: Verlagswebsites adressieren Endkund:innen, Buchhändler:innen und potenzielle Autor:innen in unterschiedlichen Kontexten. Priorisiert wird über „verschiedene Brillen“ – mit Fokus auf klare Bereiche, in denen die Verlagsseite echten Mehrwert liefert (z. B. Autor:innen-Branding, verlässliche Informationen, News).

•  Direktvertrieb ohne Kanalbruch: Verlagsseiten fungieren als Informationsschnittstelle nahe am Abschluss – inklusive eigenem Shop für schnellen Kauf, aber stets mit Verweisen zu Buchhandlungen, um Präferenzen zu bedienen. Ziel: gutes Nutzererlebnis und reibungslose Übergänge.

 Discoverability im KI-/GEO-Kontext: Sichtbarkeit verteilt sich entlang der Funnel-Logik: TOFU: generische Empfehlungen (Reichweite, Medien, Influencer). MOFU: konkretisierte Suchanfragen (z. B. psychologische Krimis im Norden) – hier punkten Verlags- und Autor:innen-Seiten. BOFU: präzise Kaufkriterien (z. B. Preis/Umfang) – hier dominieren Händlerseiten. Prompting-Setups sollten diese Ebenen bedienen; das Ziel ist, in relevanten Phasen mit passenden Inhalten präsent zu sein.

• Verlagsgründung im KI-Zeitalter – drei Grundprinzipien:

1) Spitz positionieren: klare Nische mit echter Expertise, Autorität und Trust (im SEO-Kontext als E-E-A-T bekannt).

2) Content-Hub aufbauen: FAQs, Interviews, saubere Textarbeit – klassische SEO-Handarbeit, die KI-Systeme anzieht, weil nur hier die spezifischen Antworten existieren.

3) Technik nachgelagert: strukturiert auszeichnen, aber erst nach dem inhaltlichen Fundament. Nähe zur Zielgruppe sichern (z. B. Umfragen), um Produktfeatures und Inhalte entlang konkreter Bedürfnisse zu entwickeln.

• Backlist: Chancen und Grenzen: Produktdetailseiten ranken in KI/SEO seltener (häufig redundante Produkttexte über viele Händler hinweg). Effektiver ist es, auf generische Fragen, Cluster und vor allem Autor:innen zu optimieren. Einzelprodukt-SEO skaliert schlechter; Autor:innen-Entitäten und thematische Hubs zahlen stärker auf Discoverability ein.

• KI-Gespräche in Transaktionen überführen: Ziel ist, KIs aus dem Erklärmodus in den Transaktionsmodus zu „zwingen“ – durch Antworten, die Anschlussfragen auslösen („Soll ich dir ein Buch empfehlen?“), und durch Präsenz in den relevanten Funnel-Phasen. Wichtig: Nutzer:innen googeln weiterhin; KI-Nutzung erhöht teils sogar die Zahl der Suchanfragen.

• Metadaten als Teamleistung: Metadatenpflege ist aufwendig und dynamisch (Klassifizierungen ändern sich). Sie gelingt nur im Zusammenspiel von Lektorat, Marketing, Presse und Vertrieb. Prozesse sind standardisiert, aber müssen flexibel Trends/Ereignisse integrieren. Lektorat bleibt inhaltliche Instanz, um Fehlklassifizierungen zu vermeiden.

 Texte für Menschen und Maschinen: KI-/SEO-Texte sind Informationstexte (ggf. auch tabellarisch), keine Verkaufsprosa. Parallel braucht es weiterhin attraktive, motivierende Texte für Leser:innen. Beides muss koexistieren – sauber getrennt und sinnvoll platziert.

• Empathie schlägt Demografie: Interessengruppen werden kleiner, sind aber hoch affin. Erfolgreich sind Verlage, die Bedürfnisse präzise verstehen und Inhalte darauf zuschneiden. Klassische demografische Zielgruppen verlieren an Aussagekraft; relevant sind Interessen, Kontexte und Nutzungssituationen.

• Sisyphos? Nur mit Fokus: Sichtbarkeit lässt sich nachhaltig aufbauen – gerade für Autor:innen ohne Reichweite. Entscheidend sind Fokus (wo lohnt sich Invest?) und Inhalte mit langer Halbwertszeit. Ziel ist, Schwellenwerte zu etablieren (z. B. konstante tägliche Suchanfragen), statt kurze Hype-Peaks.

• Brand als Gegengewicht zur KI-Flut: Gegen Millionen neuer (auch KI-generierter) Titel hilft Markenarbeit: Autor:innen-Brands und Verlagsmarken schaffen Vertrauen und Relevanz, die generische SEO-Taktiken nicht ersetzen. Große Häuser investieren gezielt in Markenaufbau – auch presse-/branchengreifend (Beispiel: Wikipedia-Relevanz steigt mit passender Verlagszuordnung).

• Buchpreisbindung ist kein Hindernis: Rabattaktionen sind nicht der Hebel – Performance Marketing nutzt Präzision in Zielgruppenansprache und Creative/Channel-Mix. Medienpräferenzen unterscheiden sich stark nach Interessengruppen (Print/E-Book/Hörbuch), Bundling/Clubs sind Produkt-/Pricing-Themen außerhalb des Performance-Marketings.

• Messen, was zählt: Operativ zählen CPC/CPM/CPA/CTR/Bounce Rate und Sichtbarkeit – geschäftsrelevant sind Conversions (Warenkorb, Kauf, Händlerbesuch, Merkliste). Zukunftsarbeit bei Drömer: Korrelationen zwischen Abverkauf, Suchimpressionen (Google) und KI-Nennungen (Brand Visibility) herstellen, um gezielt nachzusteuern.

• Wunschmetrik der Zukunft: Ein „Autor:innen-Sichtbarkeitsindex“ entlang der Funnel-Phasen (TOFU/MOFU/BOFU), kombinierbar mit Verlagsbrand-Effekten – um Wirkung, Lücken und Doppelbranding messbar zu machen.

Nachhaltige Sichtbarkeit entsteht aus SEO-Fundament, klug orchestrierten Metadaten, empathischem Content entlang des Funnels und starken Marken – die Hypes sind Beiwerk, die Hausaufgaben entscheiden.

1777023972383

Sebastian Zahn beschäftigt sich als Performance Marketing Manager intensiv bei der Verlagsgruppe Droemer Knaur mit dem Thema SEO und Performance und entwickelt Strategien zur Sichtbarkeit im Zeitalter generativer Suche.

Stimmen Sie zu? Haben Sie eine andere Meinung zu dem Trigger-Ansatz? Schreiben Sie dem Autor hier eine Mail oder auf LinkedIn.